ADS - Theorie und Praxis

Wie oft passiert es im Leben, dass man lernen muss! Man wird auf Kurse oder Schulungen geschickt; weil man meint, damit einen besseren und fähigeren Mitarbeiter gewinnen zu können. Im Prinzip ist das ja auch was Positives und bringt etwas Abwechslung und "Spannung" in das oftmals eintönige Alltagsleben.

Im Leben eines ADSlers kann es in einem solchen Fall aber passieren, dass sich eine Fortbildung nicht nur als länger andauernder Kurs entpuppt, sondern - und das passiert in den letzten Jahren sehr oft - aus Zeit- und Kostengründen wird ein solcher Fortbildungskurs oder eine Ausbildung von vielleicht mehreren Wochen oder Jahren auf ein Minimum komprimiert; vielleicht auch mit dem Hinweis, dass man zuhause selber noch sehr viel dazu lernen muss, um die Prüfung zu bestehen.

GENAU eine solche beschriebene Situation ist "Gift" für einen ADSLer. Er/sie sieht eine Wand, weil ihm/ihr die Erfahrung am Projekt fehlt. Die meisten ADSler lernen am Besten durch Erfahrung und Probieren. Trockener und (meist) theoretischer Unterrichtsstoff ist für den ADSler zu skurril, zu abstrakt! Er/sie kann wenig damit anfangen (bis auf einige Ausnahmen).

Sehr früh bricht bei dem ADSler die Motivation ein und viele haben Probleme weiter zu machen. Er/sie versteht zwar, was der Kursleiter sagt, aber um es wirklich zu begreifen oder zu erlernen, müsste er/sie es anwenden; in der Praxis. Denn sonst hat ein ADSler kein Bezugspunkt dazu und vergisst den Lehrstoff entweder oder hat kein "Interesse mehr daran"; ergo fehlt die Motivation, was sich auch aus dem Umstand heraus erklärt, dass dann sehr viele Kurse abgebrochen oder einfach nicht mehr besucht werden.

Ein ADSler lernt am Besten durch praktische Erfahrung. Das mag zwar etwas länger dauern, dafür wird das Gelernte aber nie mehr vergessen. Sogar kleinste Details bleiben dann oft zur Verblüffung anderer erhalten. Die gilt besonders für Arbeitsschritte, die aus vielen Details bestehen und eine Anzahl aufeinander folgender Schritte beinhalten oder sehr abstrakt sind. Leider ist es so, dass in diesem System diese Art der Schulung sehr in den Hintergrund gerückt wurde und der Lehrstoff meist nur aus einem "Herunter-Leiern" von Formeln und Arbeitsschritten usw. besteht. Für einen ADSler nicht gerade der ideale Lernboden.

ADSler zu sein, hat nichts mit "weniger Intelligenz haben", zu tun. ADSler mit nach außen ausgedrücktem oder introvertiertem ADS scheinen aufgrund der Vermittlung des Gelernten langsamer zu lernen als andere. Wie schon erwähnt, sind die meisten Bildungsangebote auf Leute zugeschnitten, die anders sind als jene, die irgendeine Form der ADS haben. Die einzigste Ausnahme bilden ADSler die übermäßig fokussiert sind, weil sie ein stark strukturiertes ADS haben. Ein solcher Typus mag diese fest vorgegebene Ordnung oder Struktur und würde frustriert reagieren, wenn es anders wäre oder dies nicht geboten würde.

Die ADSLer, die zu den "weniger Strukturierten" gehören und sich durch Instinkt und Einfühlungsvermögen in eine Situation hineinfinden, indem sie aus dem Stehgreif neue oder einfallsreiche Herangehensweisen kreieren, haben mit dieser strukturierten Form des Lernens mehr Mühe. Sie lernen durch Erfahrung.

Was macht man in solch einem Fall?

Wichtig ist, sich klar zu machen, dass man "anders" ist und es keinen Sinn macht, hier "höflich" zu schweigen. Das Beste wäre, sich beim Kursleiter zu Wort zu melden und ihm seine Situation in kurzen Worten zu schildern, sodass man gemeinsam eine Lösung finden kann. Die meisten reagieren sehr positiv darauf. Wichtig ist auch, dass man nicht fordernd spricht und meint, der Kursleiter "MUSS" Verständnis für seine Situation haben.

Es ist deshalb besser, wenn man zum Beispiel Worte wählt, wie "Zeigen Sie mir bitte das anhand eines Beispiels" oder so ähnlich. Gut ist auch, der betreffenden Person zu signalisieren, dass ein paar Versuche nötig sind, bis man es begriffen hat. Man muss sich nicht dumm vorkommen! Kommunikation ist hier sehr angebracht und wenn man den Arbeitsschritt mehrmals gemacht hat und dem Kursleiter oder Ausbildner zeigen kann, wie gut man den "Stoff" beherrscht, zeigt man damit nicht nur seine Lernwilligkeit, sondern auch seine Zuverlässigkeit, was wiederum ein positives Feedback auf die Person gibt.

Die Kehrseite der "Medaille"

Wenn der ADSler die Möglichkeit hat, durch praktische Erfahrung zu lernen, dann wird er/sie in den allermeisten Fällen diese Information immer parat haben, wenn sie das nächste Mal gebraucht wird. Ein weiterer Vorteil dabei ist die Fähigkeit, schnell, mit wenig oder gar keiner Vorbereitung auf jede Situation reagieren zu können.

ADSler finden IMMER irgendeine alternative Problemlösung; man darf sie nur nicht drängen. Sobald das geschieht, haben sie ein BLACKOUT! Wenn man ihm/ihr aber "Zeit" lässt, dann finden sie sich schnell in der ungewohnten Situation zurecht und können sehr gute Problemlösungen finden.

In unserer modernen Welt, wo es nur "Fach-Idioten" gibt - um das "böse" Wort einmal zu gebrauchen - in der das heute erworbene Wissen schon morgen überholt sein wird, gibt es einen steigenden Bedarf nach Flexibilität und Innovation. Deshalb passt ein ADSler nicht schlecht in solch ein Schema.

Leider wird aber oft aus irgendwelchen Gründen (meist persönlicher Art) diese Flexibilität oder das Wissen von den "lieben Arbeits- oder Schulkollegen" dem ADSler verkehrt ausgelegt. Er gilt als Streber, Besserwisser usw. Wie schon desöfteren erwähnt; ein ADSLer meint es gut, aber.... es "menschelt" halt überall (nicht nur auf dem Arbeitsplatz oder in der Schule).

Hier wäre es vorteilhaft, wenn der ADSler lernen würde, etwas zurückhaltender in seiner Begeisterung zu sein und auch mal den anderen den Vortritt zu lassen (was dem eigenen "Ego" ja auch mal guttut, zumal man dann für sich das Gefühl hat, es zu können und zu kennen). ;-)