ADS - Jähzorn und Ungeduld

Wie in meinen Beiträgen schon mehrfach angeschnitten, steht sich ein ADSler oft mit emotionalen Reaktionen selber im Weg. Die meisten sind, wenn sie nicht unter irgendeiner körperlichen Krankheit leiden müssen, auch im Berufsleben sehr stark engagiert und stehen ihren Mann oder Frau.

Leider passiert es nicht wenig, dass ein ADSler mit seinen Arbeitskollegen, seinen Vorgesetzten und Chefs echte Probleme hat. Warum?! Die meisten ADSler sagen das, was sie denken und nehmen in vielen solcher Situationen auch keine Rücksicht auf ihre eigene Position. Sie lassen dann - besonders in hektischen oder stressigen Situationen - ihren Unmut freien Lauf und nicht wenigen kostet das oft ihren Job. Je älter aber ein ADSler ist, desto mehr Probleme gibt es wieder einen neuen Job zu finden.

Hinzu kommt noch die Tatsache, dass sich ein ADSler nach einem solchen Vorfall noch weniger wert vorkommt und sich selber mit irgendwelchen Vorwürfen "geißelt". Auch der Partner versteht (oft) seine Reaktion/Situation nicht ganz und ist selbstverständlich entsetzt, wenn er/sie erfährt, dass er/sie schon wieder arbeitslos ist.

Auch was Weiterbildungen, Fortbildungen, Schulungen, Seminare usw. betreffen, steht sich ein ADSler meistens im Weg. Nicht, dass er/sie nicht intelligent wäre, nein!!! Die KLUFT zwischen seiner Intelligenz und seiner schulischen Leistungsfähigkeit wird für ihn so zu einer Belastung. Nicht wenige brechen sie dann ab und arbeiten sogar "lieber" als HILFSARBEITER, obwohl er (der ADSLer) von der Intelligenz her zu ganz anderen Jobs fähig wäre.

Ein ADSLer bemüht sich wirklich den Stoff zu verstehen, aber sein Verstand zieht nicht mit. Und je mehr er/sie das merkt, desto unsicherer wird er/sie. Niemand begreift, dass es nicht ein Intelligenz-Problem ist und das nicht nur physische, sondern auch psychologische Nebenwirkungen die weitere Folge sind (sogar Ärzte haben mit dem Erkennen von ADS Probleme).

All das bewirkt bei einem ADSler, dass er sich hinter einer Mauer zurück zieht und wie ein verletztes Tier in seinen letzten Kräften JEDEN angreift, der ihm zu nahe tritt. Das ist auch der Hauptgrund dafür, dass ADSler (meist) leicht gereizt sind, schnell explodieren. Sogar wenn jemand LIEBEVOLL mit ihnen redet, reagieren sie gereizt und sauer und werden oft aggressiv und laut! WARUM?!

Bei ADS sind Zornausbrüche und impulsives Verhalten, aufgrund der UNFÄHIGKEIT mit dem HANDELN ABZUWARTEN, bis über eine Situation nachgedacht werden kann, gekoppelt mit einer FLUT von verletzten Gefühlen, die aus seiner subjektiven Sicht der Hypersensibilität entstanden ist, sehr oft an der Tagesordnung.

Zorngefühle entstehen meist als Abwehr sich hilflos, ängstlich und frustriert zu fühlen. Das mag zwar befremdlich für den außenstehenden Betrachter wirken, aber für den ADSler ist das eine Art Ventil. Auch wenn er es verstandesmäßig ANDERS weiß, kann er es nicht ändern.

Wenn diese Zorngefühle nicht verarbeitet werden (mit moderatem Sport oder Bewegung, Musik und/oder einem Hobby usw.), dann passiert es halt sehr oft, dass ein ADSLer schnell mal explodiert und von den Außenstehenden in eine Schublade hinein manövriert wird, die eigentlich gar nicht seine wäre.

Ein solch starker emotionaler Schmerz, der besonders aus der Sicht des ADSlers IMMER sehr wehtut und unter der er (meistens) ziemlich leidet, wird abreagiert durch einen Wutausbruch, der ihm momentane Erleichterung bringt (aber nicht sehr lange). In dem Moment des starken Gefühlsausbruchs denkt ein ADSLer gar nicht an die Folgen seines Handelns.

Hier wäre es - nicht nur für den ADSler - sich BEWUSST zu machen, dass HINTER diesen Ausbrüchen eine übergroße Sensibilität steckt. Ein ADSLer "schlägt" um sich, weil er sich oft selber gegen die Stärke seiner eigenen Gefühle schützen will!!!

Der ERSTE SCHRITT ist, dies zu verstehen! Wenn ein ADSler und auch der Partner, Familienangehörige, Freunde usw. das verstanden hat/haben, dann ist der nächste Schritt einzuüben, sich zu schützen, OHNE solche WUTANFÄLLE zu bekommen. Hier helfen Tricks:

Ein ADSLer kann versuchen bis 20 zu zählen, an was Schönes zu denken, oder ein völlig anderes Thema innerlich anzuschneiden. Filter gibt es in dieser Richtung sehr viele und sie sind sehr individuell.

Auch der "Gegenüber" kann da mithelfen. Er kann ein völlig anderes Thema anschneiden, oder versuchen einen ADSLer logisch zu packen (aber NICHT mit dem, worüber man momentan diskutiert hat, denn das bringt ihn genau wieder dorthin, wo er gerade war - in den WUTANFALL).

Denn, ein Versuch seitens des ADSlers oder des Außenstehenden, ihn/sich zur Ruhe zu bringen, bewirkt genau das Gegenteil. Je mehr man es versucht, desto mehr beginnt er um sich zu schlagen. Es verursacht beim ADSler Unbehagen und das wiederum bewirkt Aggressivität. Er hat ein Gefühl der Ohnmacht, weil er/sie in dem Moment Mühe hat, sich zu erklären. Und damit hat er/sie Angst und Angst bewirkt Aggressivität.

Der ADSler hat die Ungeduld "entwickelt", um sich zu schützen. Je nach Position in der Arbeit gibt ihm das auch eine Art Machtgefühl. Nur, die anderen nehmen das - naturgemäß - anders wahr. Sie empfinden eine solche Person als zudringlich, unbeherrscht, aggressiv oder egoistisch usw.

Ein NICHT ADSLER oder "Normalo" versteht nicht, wie es hinter den Kulissen aussieht! Er/sie hat überhaupt kein Verständnis und reagiert, das ist klar, auf seine menschliche Weise (je nachdem, was er/sie selber auch erlebt hat).

Der ganze Trick in einer solchen, oft verfahrenen Situation, besteht darin Filter oder Wege zu finden, diese Ungeduld oder Untätigkeit des Handelns bis zu einem gewissen Grad ertragen zu können. Hier besteht - an einem anderen Tag, wenn ein ADSler entspannt ist - die Möglichkeit, diesem zu zeigen, dass er bereit sein sollte, an diesem Zustand zu arbeiten.

Einer der Punkte, mit denen man einen ADSler packen kann ist eine LOGISCHE und rein auf Fakten beruhende Diskussion, denn die meisten ADSler diskutieren sehr gerne. WICHTIG ist, NIE einen ADSLer anzugreifen oder Vorwürfe zu machen, denn dann fällt er sekundenschnell wieder in diese ABWEHRHALTUNG rein.

Des Weiteren gibt es Filter, die einem ADSLer helfen können, daran zu arbeiten. Wenn zum Beispiel das Stadtleben für ihn zu hektisch ist, sollte er lieber ein Leben auf dem Lande bevorzugen. Sollte ein ADSler in seinem Job zu hektisch arbeiten müssen, oder zu viel Stress haben, wäre es empfehlenswert, sich einen Job zu suchen, der etwas weniger an Verantwortung und Hektik, Stress usw. hat - hängt dann auch ein wenig mit dem finanziellen Wohlstand usw. zusammen. Deshalb sollte man ALLE Punkte in seine Überlegung hinein ziehen.

Lieber mit etwas weniger Geld auskommen, als zu meinen, einen materiellen Wohlstand halten zu müssen, der einen ADSler irgendwann ins Burnout-Syndrom kippen oder Amok laufen lässt! Es gibt Untersuchungen, die den Verdacht hegen, dass viele Amokläufer ADSler sind!!!

Das Alles bedeutet natürlich NICHT, dass ein ADSler morgen kündigen muss, wenn er einen Job hat, oder alles aufgibt. Aber er/sie kann sich Gedanken machen - mit einem guten Freund/Freundin, Partner usw. - was man in nächster Zeit tun kann, um seine/ihre Situation zu verbessern. ALLEIN DIESER GEDANKE bewirkt bei einem ADSLer oft ein völliges Umdenken und lässt ihn gelassener reagieren.

Ein ADSLer soll sein ADS nicht als ein PROBLEM oder KRANKHEIT ansehen, sondern daran denken, dass er/sie auch sehr, sehr gute Fähigkeiten hat. Vielleicht hilft es ihm/ihr diese auf einen Zettel zu schreiben und mit einem verständnisvollen Menschen darüber zu reden. WICHTIG IST, dass ein ADSler auf sein HERZ (sein Bauchgefühl) vertraut und lernt darauf zu hören.

Er sollte nach Möglichkeiten Ausschau halten, die in seinen Fähigkeiten liegen und Veränderungen mit Bedacht angehen. Desweiteren ist es auch sehr wichtig, darüber zu schreiben in Form eines Briefes, einer Email. Chatten in diversen Foren BRINGT EIGENTLICH NICHT VIEL! 

Warum? Weil der ADSLer in psychologischem STRESS gelenkt wird. Es gibt sehr oft mit anderen Foren-Mitgliedern unschöne und zeitraubende Diskussionen, die meist in Vorwürfe enden und/oder anderen Problemen. Und weil der ADSler nicht "hinter dem Berg hält" - was seine Aussagen betrifft, gibt es hier schnell mal Probleme mit den Mitgliedern oder den Moderatoren.

Der ADSler kommt in seinen Aussagen sehr schnell zum Punkt oder Thema. Er kann es nicht salomonisch ausdrücken. Das geht ihm/ihr zu lange. Was kann er/sie hier tun?

Besser ist es, einen BRIEF oder EMAIL an einen guten Freund oder sogar an seinen Partner zu schreiben, weil er/sie damit gezwungen wird, seine/ihre Gedanken zu formulieren und darüber nachzudenken. Und das bewirkt eine BERUHIGUNG SEINER GEFÜHLE! Und dann nicht einfach den Brief oder das Email wegschicken, sondern mindestens 1-2mal durchlesen und korrigieren!

Ein ADSLer soll auch seine Situation analysieren WANN er zu solchen impulsiven Jähzorn oder Wutausbrüchen neigt. Bei Kindern können die Eltern wenn die Situation vorbei ist, mit ihrem Sohn/Tochter RUHIG darüber reden, in FORM eines ANALYTISCHEN GESPRÄCHS!!! Des Weiteren sollte analysiert werden, WIE es zu dieser Reaktion kam und WAS davor gemacht wurde!!!

Allmählich - das dauert zwar etwas und erfordert sehr viel Geduld von beiden Seiten - schält sich mehr und mehr ein Bild heraus, wo dann entsprechend reagiert und gehandelt werden kann.

WICHTIG ist, dass ein ADSler LERNT, sich auch zu entschuldigen! Sehr viele haben MÜHE damit und die andere Person kann auch ruhig mal sagen (ob es die Eltern, Freunde oder der Partner ist), dass dieses oder jenes weh getan hat. ABER; IN EINEM RUHIGEN TON OHNE VORWÜRFE!

Sagt man das zum Beispiel in einem ruhigen sogar etwas TRAURIGEN Ton, wird der ADSler SOFORT WEICH und es tut ihm unendlich leid! Und man sollte dann zu verstehen geben, dass man bei einer Entschuldigung ihm/ihr nicht mehr böse ist und man das Probleme gemeinsam bewältigen wird.

DAS ist ein sehr, sehr schwieriger Prozess für Beide und man kann hier mit dem ADSLer zum Beispiel gewisse Signale ausmachen (Handzeichen geben, Hüsteln, STOPP sagen usw.), damit so etwas schon in den Anfängen gestoppt werden kann. Diese Schritte müssen IMMER WIEDER wiederholt werden und sie funktionieren nicht sofort von heute auf morgen. ABER SIE FUNKTIONIEREN!

DENN...

mit einem ADSler kann man IMMER REDEN! Die meisten (NICHT-ADSLer) haben aber "ANGST" über gewisse Themen zu sprechen oder es ist ihnen peinlich usw. Auch kann eine HILFE in einer solchen Situation für einem selber zu einem psychologischen Höllentrip werden, weil einem gewisse Dinge selber aus der Kindheit/Jugend hoch kommen! Aber, das wäre ein anderes Thema!