ADS - Hypersensibilität

… und was man persönlich tun kann

Ich hatte es ja schon mehrmals in den Beiträgen über ADS angeschnitten und komme in diesem Teil der Hypersensibilität eines ADSlers auf das Thema "Was ich persönlich dafür oder dagegen tun kann"! Oft ist es ja so, dass ein ADSler, selbst konstruktive Kritik, sehr oft als "Angriff" sieht und fühlt.

Er/sie fühlt sich dann gedemütigt, beleidigt und die meisten ziehen dann ihre entsprechenden Konsequenzen (anstatt sich zum Beispiel helfen zu lassen). Der ADSler fürchtet in solchen Fällen etwas falsch zu machen und ergreift auf seine Art die Flucht (zurückziehen, kündigen usw.). Sicher fühlt er/sie sich nur dort, was er kennt, was heißt, dass die meisten ADSler sich in ihre "Burg" oder Mauer zurückziehen.

Diese Überempfindlichkeit gegenüber Kritik ist nicht selten bei ADSlern. Der ADSler rechnet schon VORHER im Unterbewusstsein damit, dass sein "Werk" oder seine Arbeit "kritisiert" wird oder er "Mist gebaut" hat. Er sieht gewisse Dinge, die er gemacht hat, schon als richtig an, weiß aber nichts damit anzufangen, wie ANDERE das "RICHTIG" definieren!

Und so kommt es, dass er gereizt oder aggressiv reagiert, wenn man ihn "kritisiert". Sogar dann, wenn es konstruktiv gemeint ist, oder gar keine Kritik geübt wird. Selbst wenn nichts Negatives gesagt wird, ist er skeptisch und geht dann mit sich selber ins Gericht.

Hier muss der ADSler lernen (ist ein sehr langwieriger Prozess), dass er NICHT für alle Probleme verantwortlich ist. Was ein ADSler ebenfalls lernen muss, ist nicht irgendwo bei jemandem die Schuld zu suchen! Und wenn er/sie kritisiert wird, das nicht immer mit ANGRIFF und VERTEIDIGUNG zu beantworten.

Man kann nicht jedes kleine Missverständnis oder jede verletzende Situation in einem Gespräch aufarbeiten und analysieren. Was leider IMMER vom ADSler gemacht wird (das ist EINER der Gründe, warum sehr viele ADSLer schlecht und unruhig schlafen!!!).

Die andere Person, also der Gegenüber, hat nicht immer die Zeit und vor allem GEDULD, alles in einer Analyse zu erklären. Wobei sich die wenigsten darüber Gedanken machen, was sie mit ihrem Tun, Sagen und Handeln anrichten.

Hier muss also der ADSler zu seiner eigenen Gesundheit zuliebe lernen, sich vor "echten" als auch "gedachten" (subjektiven) Verletzungen durch andere zu schützen, denn sonst wird sein gesamtes Leben zu einem Kampf, zu einer therapeutischen Arena!!! NICHT jedes barsche Wort, jeder Gesichtsausdruck, jedes Schweigen usw. ist auf den ADSler gemünzt.

Vielleicht hat der andere ja auch Sorgen und seine Probleme, oder es wurde ihm irgendwie der Tag vermiest. Der ADSler muss hier also lernen, sich auf sich zu konzentrieren und NICHT auf seine Umgebung. Er muss lernen, gesundes Selbstbewusstsein zu erlernen und etwas mehr von sich zu halten, als üblich. Das ist der beste Schutz verletzt zu werden.

Der ADSler muss sich bewusst machen, dass er auch Fähigkeiten hat und dass er eine wertvolle Person ist, die man sicher schätzt - trotz seiner "Fehler" und Angewohnheiten!!!

Was macht ein ADSler, der MEINT, angegriffen zu werden (verbal)?

Zuerst einmal sollte er sich klar machen, dass mit ihm alles ok ist. Niemand greift hier irgendjemand an und sollte es DOCH so sein kann er sich Folgendes sagen (Selbstgespräche sind hier ganz nützlich, auch wenn sie komisch klingen):

"Mit mir ist alles ok!" "Das macht mir nichts aus!" Dabei tief durchatmen, ruhig und gelassen bleiben und die Aufmerksamkeit auf FAKTEN richten und NICHT auf persönliche Dinge, oder die Art und Weise, wie jemand mit einem redet (oder schreit, nach dem Motto: "Wer schreit, hat recht"!!!).

Hier wäre es gut, wenn sich der ADSler ein "Beruhigungsprogramm" zulegt! Das kann sehr individuell sein und sollte - je nach Charakter und Temperament - verschieden ablaufen.

Ein paar Tipps wären:

- Tief durchatmen

- Bis 20 zählen

- An was Schönes denken

- Auf die ruhige Atmung konzentrieren

usw. Wie gesagt, das "Programm" ist sehr individuell!

Danach sollte der ADSler die Aufmerksamkeit nach INNEN lenken statt auf die andere Person. Wenn jemand zum Beispiel mit dem Magen oder Darm zu tun hat (was sich in Form von Magenschmerzen oder Übelkeit usw. bemerkbar machen kann), dann sollte er sich darauf konzentrieren und versuchen ruhig zu bleiben - mit den oben erwähnten Tipps. Er sollte in dieser Situation daran denken, dass er es nachher mit den entsprechenden körperlichen und psychischen Reaktionen "bezahlen" muss.

Was mir persönlich sehr viel geholfen hat, wenn ich der betreffenden Person gesagt habe (egal wer es war): "Ich denke, dass es im Moment besser ist, wenn ich gehe/aufhöre zu sprechen o.ä.!" "Ich kann keinen vernünftigen Gedanken fassen und BEVOR ich etwas Böses sage, sage ich lieber nichts und gehe!"

Ok, manchmal - wie zum Beispiel im Gespräch mit dem Abteilungsleiter oder Chef - geht das nicht immer, aber auch hier kann man entsprechend ruhig darum bitten etwas Zeit vergehen zu lassen, bis man sich beruhigt hat. Meistens wird es akzeptiert und die meisten Chefs oder Abteilungsleiter sind sehr erstaunt über diese Reaktion (in positiver Hinsicht) und gewähren einem diesen Aufschub.

Die ADSler schaffen es meistens irgendwie, dass man auf sie sauer ist! Das ist auch einer der Gründe, warum ein ADSler "gerne" gemobbt wird. Hier ist es wichtig zu erkennen, wo diese Überreaktion des Gegenübers ist. Manche machen hier leider den Fehler, dass sie vorschnell reagieren und sehr schnell Vorurteile haben. BESONDERS auch, wenn man eine andere Lebensphilosophie oder Lebensweise bzw. sogar eine andere religiöse Auffassung und/oder Glauben hat. Hier kommt es oft zu sehr perfiden psychologischen Spielchen!

Was hilft hier?

Am besten ist es, wie schon beschrieben, sich selber beruhigen, und seine momentanen Gedanken versuchen ruhig zu überbringen. Ist das nicht möglich, so signalisiere man, dass man Zeit zum Argumentieren braucht. Eine weitere Hilfe ist auch, mit dem Vorgesetzten oder Chef zu reden, wenn es zum Beispiel auf der Arbeit ist. Mittlerweile gibt es auch staatliche Institutionen, die einem Mobbing-Opfer helfend beistehen.

Man kann sich mit solchen TECHNIKEN zwar nicht davor bewahren, gemobbt zu werden, oder verletzt zu fühlen, aber man wird nicht mehr so hilflos dagegen sein. Wichtig ist, jemanden zu haben, mit dem man reden kann und der einem wieder aufbaut. Hat man das nicht, kann man sich ein Tagebuch zulegen, oder auch Selbstgespräche führen, die man aber niederschreiben sollte >>> das ist übrigens GANZ WICHTIG für die VERARBEITUNG!!!

Ein ADSler sollte sich BEWUSST sein, dass er eine EMOTIONALE STÄRKE hat, eine Kraft, sich zu verteidigen und zu schützen. Wichtig ist, sich NACH einer solchen Situation vorzustellen, dass man einen "VORHANG" oder eine "MAUER" hätte, wo diese ganzen Beleidigungen abprallen. Viele ADSler haben leider die Angewohnheit in irgendeiner schlimmen Situation zu resignierend zu verharren! (Stichwort: Tunnelblick oder subjektives Denken)

Hier sollte sich der ADSler BEWUSST machen, dass er/sie seine/ihre Situation JEDERZEIT ändern kann. NIEMAND ist auf DAUER in irgendeiner Falle drin und NIEMAND muss eine Situation aushalten! ALLES lässt sich ändern!!!

Eine sehr gute Hilfe für einen ADSler ist, sich ein Umfeld zu zulegen, dass ihn unterstützt, versteht und freundlich gesonnen ist (wie das auch immer aussehen mag). Er sollte sich klar machen, dass er nicht auf Dauer in einer Situation bleiben muss, die ihn kränkt oder sogar schadet. Es gibt "Filter", die einem ADSler helfen, sich aus gewissen Situationen herauszuhebeln. Oft sind diese sehr individuell und es kommt auch auf das Verständnis der Freunde, Partner, Bekannten usw. an.