ADS - Albern sein, bis dauernd Blödsinn machen

EINE Möglichkeit, von seinem ADS abzulenken bzw. von seiner Person ist das Herumalbern oder Blödsinn treiben. Egal, ob es in der Schule, am Arbeitsplatz oder sonst wo ist. Es passiert nicht selten, dass ein ADSler sehr oft die Lacher und damit die Sympathien auf seiner Seite hat. Ein ADSler gefällt sich sehr oft in der Rolle, weil es ihm psychologisch gesehen hilft, etwas von seinem Problem abzulenken.

Oft ist es sogar so, dass je MEHR der Druck (Arbeit oder Schule usw.) ZUNIMMT, ein ADSler umso mehr "blödelt" oder herumalbert! Hier gibt es allerdings ZWEI Arten von Kollegen oder Mitmenschen: Die EINEN, die sich daran gewöhnt haben und es "verstehen" und den ADSler so lassen, wie er/sie ist und die ANDEREN, die sich darüber - mehr oder weniger offen - sogar aufregen und dies mit verschiedenen Methoden - bis hin zum Mobbing - zu unterbinden versuchen.

Bei denjenigen, die das verstehen und sich dran gewöhnt haben, ist es recht einfach, aber es kann bei anderen Kollegen oder neuen Mitarbeitern bzw. Schulkollegen zu echten Problemen kommen. Manche reagieren verärgert auf solche Kapriolen, was bei dem ADSler, aufgrund seiner Sensibilität, wiederum zu Nervosität führt. Der ADSler versucht das mit vermehrter Albernheit zu überspielen, was den/die Andere(n) noch mehr verärgern lässt! Ein Teufelskreislauf, der sich zu einem echten Problem entwickeln kann.

Der/die Kollege/Kollegin merkt dann irgendwann einmal, dass er (der ADSler) eigentlich was leisten und nicht so "blöd" herum albern solle. Die meisten NICHT ADSler machen hier den Fehler, dass sie - anstatt mit der betreffenden Person zu reden - es über 4 und mehr "Ecken" erzählen; sich beschweren. DAS ist oft der BEGINN eines perfiden MOBBINGS, das bis zur Ächtung mancher ADSler führen kann. Je nach Stimmungslage kann das ein Kollege in den falschen Hals kriegen und obwohl er/sie sich früher daran nicht gestört hat, fällt es ihm/ihr dann plötzlich NEGATIV auf!!!

Warum ist das so?

Viele Menschen, die ADS haben, fühlen sich ihrem Job chronisch NICHT GEWACHSEN! Doch anstatt eine Lösung zu suchen, oder sich an eine Vertrauensperson zu wenden (Arzt, Therapeut usw.), schweigen sie dazu und reißen ihre Witze, indem sie versuchen "jovial" und souverän zu wirken, um von ihrem eigentlichen Problem abzulenken - der ADS und all seinen "Nebenwirkungen"!

Interessant dabei ist, dass sehr viele ADSler von Natur aus sehr schlagfertig sind. Sie können blitzartig ungewöhnliche Verbindungen zwischen den einzelnen Ereignissen herstellen und wenn diese dann verbalisiert werden, ziehen sie es in "Lächerliche", "Witzige", wobei sie dann die Lacher und die Sympathie oft wieder auf ihrer Seite haben.

Im Prinzip mag das ja auch so in Ordnung sein. NICHT in Ordnung ist, WENN dieser Humor dazu dient, andere, als auch den Humoristen selbst, von den eigentlichen Dingen abzulenken. Klar, Humor ist oft auch ein Ventil, um Zorn oder ein wahres Wort in etwas "weichere Worte zu packen".

Gesunde Albernheit oder Witze reißen, kann eine (Arbeits-) Situation entschärfen, wenn aber die Grenzen des Akzeptablen überschritten werden, wenn Mängel übertüncht werden usw., dann ist es Zeit, die Notbremse zu ziehen.

Hier kann ein ADSler sich selber in einer stillen Stunde überlegen, was sein Humor ausmacht; was seine Auswirkungen sind! Kann er/sie das NICHT alleine, sollte er/sie eine Vertrauensperson zu Rate ziehen. Der ADSler kann diese Person fragen, wie sein Humor in dieser oder jener Situation wirkt, welche Auswirkungen er hat.

Der nächste Schritt ist, herauszufinden, WELCHE FUNKTION der Humor ausfüllt! Ist er TARNUNG für GEFÜHLE? ANGST zu verstecken? VERSTECKEN des EMOTIONALEN SCHMERZES? Geht er öfters in sarkastische Richtungen, kann er ZORN oder VORURTEILE ausdrücken!

Eine EHRLICHE ANALYSE ist hier sehr, sehr wichtig und ein ADSler sollte auf jeden Fall sich eine Vertrauensperson suchen, mit der er darüber sprechen oder schreiben kann, denn so wird sein persönlicher BLICKWINKEL verändert, die Subjektivität seiner Handlungen geöffnet, die einer Objektivität Platz machen soll (hoffentlich). Möglich ist auch, dass dahinter mehr als nur EIN Faktor steckt.

Wichtig ist, dass die Vertrauensperson erkennt, dass ein ADSler NICHT verletzen will, sondern, dass hinter dem Humor oft eine sehr empfindliche bzw. sensible Gefühlslage steckt. Umgekehrt sollte ein ADSler auch erkennen, dass sein Witze reißen nicht immer angebracht ist und auch nicht immer gut ankommt, sondern manchmal sogar Probleme verursachen kann. Hier ist eine große Portion Ehrlichkeit von beiden Seiten angesagt!

Man sollte NIE vergessen: Die meisten ADSler sind sehr sensibel, müssen aber lernen, dass andere es entweder oft nicht so meinen bzw. einen anderen Blickwinkel haben. Hier ist gegenseitiges Verständnis angebracht (was leider in der Welt NICHT GANZ EINFACH IST).

Im Alltag kann es eine große Hilfe sein, wenn jemand da ist, der eine Situation mit einem heiteren Kommentar etwas entschärfen kann. Indem man über Dinge lacht, an denen man nichts ändern kann, nehmen wir dem Gefühl der Hilflosigkeit seine Schärfe. Humor kann auch vor dem gefürchteten Burnout-Syndrom bewahren, wenn der Stress zum Beispiel zu groß wird.

Nur; ein ADSler sollte NIE vergessen: Über sich selber zu lachen, ist ok (auch wenn es manchmal gefährlich sein kann, weil damit auch die Gefahr des Verlustes der Autorität besteht; was besonders in gewissen Positionen zu beachten gilt). Über andere Personen zu lachen, nicht! Auch wenn es nicht böse gemeint sein sollte, es kann bei dem/der Anderen total anders - also negativ - ankommen.

Wenn Humor und Ernsthaftigkeit AUSGEWOGEN angewendet werden, dann ist das ein echter Vorteil. Die Freuden des Lebens mit Humor zu genießen ist in Ordnung, als Tarnung für tieferliegende Gefühle, nicht! Genauso wenig ist es in Ordnung, wenn man sich so durch das Leben mogelt, indem man ständig herumalbert!

Hier sollte aber ein ADSler daran denken, nicht mit Ernst und Verbissenheit an die Sache zu gehen, sondern er muss lernen, das Ganze etwas lockerer - also auch mit einer gehörigen Portion Humor - anzugehen. Des Weiteren ist es wichtig, dass ein großer ERFOLG, aus vielen KLEINEN SCHRITTEN besteht! WICHTI ist hier das GESUNDE Maß zu finden!

Auch wenn ADSler diese Fähigkeit haben, müssen sie lernen, "kleine Brötchen" zu backen. Mit der Zeit lernt ein ADSler dann welche Schritte er unternehmen muss, um dieses oder jenes zu verbessern; und, ein ADSler hat die Fähigkeit FILTER zu erschaffen. Sei es, dass er mit der Vertrauensperson ein Zeichen ausmacht, sich Notizen macht, ein Tagebuch führt, und, und, und. Deren Möglichkeiten sind viele und hier ist die Kreativität und Phantasie gefragt, die ADSler in übervollen Maße oft haben.

Wenn Kollegen merken, dass man zwar Probleme mit etwas hat, aber gewillt ist, daran zu arbeiten, sieht die Sache oft positiver aus, als wenn er (der ADSler) versuchen würde, verbissen das Ergebnis zu erreichen! Ein ADSler sollte sich auch NIE zu schade vorkommen, um HILFE zu BITTEN. Das entspannt oft eine Situation und wenn man dies noch mit etwas Humor würzt, sieht das Ganze schon total anders aus.

Oft ist es auch so, dass irgendeine Arbeit ein ADSler gut könnte, er/sie sich aber selber im Weg steht, weil er/sie von vorne herein meint, dass es sowieso missglückt! Auch hier gibt es Filter, wo man sich an eine Arbeit "heranpirschen" kann. Man kann dem Kollegen den Part überlassen, wovor man "Angst" hat, indem man zum Beispiel sagt: "Her mit dem und dem, ich mache das und du das."

Wenn man einen verständnisvollen Kollegen hat, kann man so die Aufgabe bzw. die Verantwortung dafür psychologisch "verkleinern" und während der Kollege den anderen Part macht, schaut man ihm interessiert über die Schulter bzw. fragt hier und da nach - oder so ähnlich.

Zugegeben, in der heutigen Zeit ist so ein Schritt nicht einfacher geworden. Jeder steht unter Stress und der Chef oder Abteilungsleiter sieht nur den Erfolg. Ein Kollege, der seinen Part nicht richtig bewältigen kann, wird in vielen Fällen entweder verwarnt oder sogar entlassen - nach ein paar Verwarnungen. Vielleicht wäre es hier angebracht, mit diesem zu reden, wobei ich aus eigener Erfahrung sagen kann, dass es im Endeffekt NICHT VIEL BRINGEN WIRD. :-(

Also ist hier der ADSler gefordert, einen "Filter" zu finden. Meistens geht das mit dem Schul- oder Arbeitskollegen besser als mit den Vorgesetzten. Wichtig ist, sich diesen Filter in kleinen, überschaubaren Schritten zu erstellen. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen, aber es ist es wert, denn es bringt dem ADSler auch mehr Selbstbewusstsein.