ADS - Aktuelle Situation(en)

Das Jahr geht langsam seinem Ende entgegen; der Sommer hat sich in wärmere Gefilde zurückgezogen. Man ist wieder vermehrt zuhause, oder unterwegs beim Wandern, solange es noch ein paar schöne Herbsttage hat.

Für einige mag diese Zeit nicht nur eine Zeit der beginnenden Besinnung werden, andere fühlen eine gewisse Melancholie in sich hochsteigen. Wie dem auch sei: Für MICH beginnt wieder die halbwegs “normale”, die “Wohlfühlzeit”.

Obwohl ich den Sommer eigentlich sehr gern mag, habe ich in den letzten Jahren vermehrt festgestellt, dass er mir “Angst” macht! Warum?!

Nun, die Temperaturen steigen in Rekordhöhe, die Unwetter nehmen zu und man fühlt sich dem Ganzen doch ein wenig hilflos ausgesetzt! Wohl wissend, dass das, was da an Wetterkapriolen weltweit passiert, hausgemacht ist, also von uns Menschen fabriziert wird. 

Vielleicht liegt es auch im Wesen eines ADSlers, sich um Dinge Sorgen zu machen, die andere nicht so “eng” sehen, oder herannahende Unglücke zu “spüren”, wo andere noch in schönster "Partylaune" sind und absolut kein Gespür für so etwas haben.

Um wieder zum Thema ADS zurück zu kommen:

In Beiträgen habe ich von positiven als auch negativen Erfahrungen, sowie über die Lebensweise und Ernährung berichtet. Seit ein paar Monaten stelle ich allerdings fest, dass ich auf gewisse Lebensmittel positiv, auf andere negativ, dass heißt mit diversen Nebenwirkungen reagiere.

Auch was die Lebensweise und den alltäglichen Rhythmus betrifft, habe ich Veränderungen festgestellt. Fangen wir mal mit dem ersten, der Ernährung an:

Lebensmittel:

Hierbei ist mir aufgefallen, dass Fastfood, industriell hergestellte Lebensmittel und solche mit künstlichen Aromastoffen und anderen Zutaten, bei mir teilweise recht heftige Reaktionen hervorgerufen haben. 

Des Weiteren ist mir aufgefallen, dass ich ALLE Milchprodukte nicht bzw. nur teilweise vertrage. Teilweise deshalb, weil es auf die Menge und meinem psychischen Zustand ankommt.

Ein Beispiel dazu: Bin ich entspannt, kann ich ein “Milch-Produkt” (Käse, Milchschokolade oder ein Getränk usw.) ohne Probleme “essen oder zu mir nehmen”. Habe ich Stress oder Ärger genügt oft schon ein kleiner Schluck oder Bissen, den ich dann “bezahlen” muss.

Esse ich zum Beispiel ein industriell hergestelltes Produkt oder Backwaren aus einer Großbäckerei, dann merke ich es besonders schlimm (Übelkeit, Blähungen, Unwohlsein usw.).

Mehr und mehr entfernen wir uns von den großen “Einkaufstempeln” und kommen wieder zum Ursprung zurück. So habe ich auch wieder angefangen Korn zu mahlen und Brot zu backen. Anfänglich habe ich recht wenig gemerkt, aber mit der Zeit spürte ich eine Verbesserung.

Alkohol:

Das Thema mag für den einen oder anderen ein heikles sein; das Wesen eines ADSlers ist es aber auch, Tabuthemen aufzugreifen und offen zu besprechen. Es gibt Tage, da trinke ich kaum Alkohol und ein anderes Mal schmeckt mir ein gutes Glas Bier oder Wein zum Essen doch recht gut.

Wobei ich auch hier eine Veränderung an mir festgestellt habe: Ich trinke weniger, dafür aber eine gute Qualität und ich muss nicht jeden Tag Alkohol haben

Es kommt hier immer auf den Tag und die Stimmung an. Und noch etwas habe ich festgestellt: Ich genieße JEDEN Schluck sehr intensiv, muss mich aber nicht – wie manche – zukübeln!

Bewegung:

Zum Glück haben meine Frau und ich einen Rhythmus gefunden, der uns eine regelmäßige Bewegung verschafft. Wobei man sagen muss, dass wir meistens (Frühjahr und Sommer) Abends unsere Runde gedreht haben. Im Herbst und Winter machen wir meistens um die Mittagszeit eine Runde. 

Tatsache ist, dass wir eine regelmäßige Bewegung als positiv empfinden, obwohl es einige Zeit gebraucht hat, bis wir es so empfunden haben. Meistens ist es Nordic-Walking und/oder Schwimmen oder Fahrrad fahren. Im Herbst ist natürlich unser “Ländle” ein idealer “Trainingsort” für das Wandern.

Genuss oder Lebensstil:

Keine Ahnung an was das liegt; am Älter werden, die seelische Reife, das Gefühl langsam “zuhause angekommen zu sein”. Ich genieße jeden Tag sehr intensiv und die Tage, wo es stressig hergeht, sind für mich als ADSLer schrecklich.

Klar, Stress lässt sich nicht immer vermeiden, die so genannte Entschleunigung bringt aber mehr Lebensqualität. Für jeden, der diesen Beitrag liest und sich überlegt, was er/sie damit anfangen soll; mein Tipp: Es ist auf jeden Fall ein Versuch wert.

Familie, Freunde, Bekannte:

Früher hatte ich immer versucht mit allen gut zu sein und möglichst keinen Streit zu entfachen bzw. wenn es sich dann gar nicht mehr vermeiden ließ, habe ich es dann so richtig krachen lassen (auch ein Teil des ADSlers). Heute bin ich abgeklärter geworden.

Ich sage und/oder schreibe zwar immer noch sehr direkt und offen, was manchen vielleicht nicht gefallen mag, dafür hat sich aber die “Spreu vom Weizen” getrennt. Diejenigen, die geblieben sind, sind solche die man Freunde nennen kann und die anderen, die (noch) nicht wissen, wie man mit uns oder mir (als ADSler) umgehen soll, befinden sich in der Beobachtungsphase.

Manche bleiben weiter weg (aus “Angst” oder Scheu) und andere kommen (meist aus Neugier oder Begeisterung) näher. Und noch etwas habe ich (ENDLICH) erfahren dürfen: ADSLer polarisieren!!! Entweder man ist von ihm und seiner Art begeistert oder man entfernt sich. Es gibt kein Mittelding!

Fazit

Möglicherweise hätte ich es einfacher im Leben, wenn ich KEIN ADSLer gewesen wäre. Andererseits wäre ich nicht so intensiv durch das Leben gegangen. Das Credo eines ADSLers ist es, “Kleinigkeiten” zu entdecken und teilweise daraus ein Elefant zu konstruieren. Das kann positiv aber auch – besonders für die ANDEREN – sehr negativ und/oder anstrengend sein.

Was ich ebenfalls festgestellt habe: Meist – und das haben andere ADSLer mir bestätigt – arbeite ich auf mehreren Ebenen (Multitasking nennt man so etwas). Das mag – für Außenstehende – irritierend oder faszinierend sein; und das ist genau das: man polarisiert.

Manchmal wünschte ich, ich würde gern eines nach dem anderen “abarbeiten” und dann fange ich strikte damit an, dauert aber meist nicht lange und ich bin wieder auf mehreren Ebenen beschäftigt!

Wobei sich hier in den letzten Monaten eine neue Situation ergeben hat: es ist für MICH als ADSler weniger stressig, auf EINER Ebene zu arbeiten. Man wird ruhiger, wenn man eine Sache nach der anderen macht! ADS kann faszinierend sein, polarisiert aber. Aus diesem Grund soll ein ADSler sich seine "Freunde" sehr gut aussuchen.

ADS - Aktuelle Situation(en) 2016

Wieder ist ein Jahr vergangen und wieder sind einige Situationen an mir vorbei gerauscht bzw. haben mich erwischt. Nachdem ich 10 Jahre bei einer Firma als Leiter arbeiten durfte, wurde ich entlassen. Der Grund: die Firma bzw. die Zweigstelle, in der ich arbeiten durfte, wurde aus finanziellen Gründen geschlossen.

Zum Glück stehe ich nicht auf der Straße, sondern habe einen liebevollen Partner, der mir beisteht und ich habe Freunde, die mir helfen und mit mir/uns reden. Einerseits bin ich betroffen, weil man mit 60 Jahren nicht mehr die Möglichkeit hat, noch einen halbwegs guten Job zu finden. Andererseits habe ich - bedingt durch die vermehrte Zeit - die Möglichkeit, mich auf meine zweite Ausbildung als Tischler/Schreiner zu konzentrieren und hier tätig zu werden - zumindest Zuhause.

Ich stelle fest, dass mir handwerklich und damit auch künstlerische Arbeiten sehr viel Freude machen. Es hat aber allerdings einige Zeit gebraucht, bis ich die Ruhe und Gelassenheit gefunden habe, mich für solche Arbeiten zu begeistern. Als ich vor über 6 Jahren damit anfing, bei mir/uns Zuhause bestehende und lang vor mir hergeschobene Reparaturen zu bewerkstelligen, hat ich mächtig Angst davor. Die kleinste Arbeit war für mich ein RIESEN BERG, den es zu überwinden galt und ich bin oft wieder umgekehrt - und habe die Arbeit liegengelassen.

Meine Frau ermunterte mich aber immer wieder weiterzumachen, NICHT aufzugeben. Ich musste lernen, ganz kleine Schritte zu machen, die Ruhe zu finden, überhaupt einmal anzufangen. Ein weiterer Aspekt war, dass ich mir meistens ZUVIEL vorgenommen hatte und frustriert war, wenn ich mein Tagespensum nicht geschafft hatte.

Es war ein langer Prozess und irgendwann lernte ich dann EINE Arbeit NACH der ANDEREN zu machen. Als ich das verstanden habe, überkam mich ein Gefühl der Freude und des Stolzes. Stolz in dem Sinn, es geschafft zu haben; mit EINER Arbeit angefangen und mit DIESER aufgehört.

Das war schon ein Wahnsinns-Erfolg! Seit dieser Zeit merke ich, dass mir handwerkliche Arbeiten sehr viel Befriedigung und Freude bringen. Ein gutes Gefühl, wenn man ein fertiges Ergebnis vor sich sieht. Da ich aber schon jahrzehntelang nicht mehr in diesem schönen Beruf gearbeitet habe, musste ich manche Dinge von der Pike auf wieder erlernen bzw. mir in Erinnerung rufen. 

Ich musste lernen, LANGSAM an eine Sache heranzugehen. Sich nicht hetzen und drängen lassen. Es war auch ein Lernprozess für meine Frau, die meinte, ich muss mal "schnell das oder dieses reparieren und zwischendurch noch etwas anderes tun". Das geht bei einem ADSLer nicht!

Ein weiterer Aspekt, den ich akzeptieren und lernen musste, war folgender: wenn ich an eine etwas schwierigere Arbeit ging, in der mir (noch) die handwerklichen Fähigkeiten fehlten oder die kompliziert bzw. schwierig waren, tat ich manchmal etwas völlig anderes. Ich fing an, in der Werkstatt aufzuräumen, oder Schrauben zu sortieren.

Anfänglich ärgerte mich das, bis ich erkannte, dass es die Art der Verarbeitung und des "sich-hinein-Denkens" in dieses Projekt war!!! Als ich es akzeptierte, ging es besser. Während dieses völlig anderen Vorgangs (Sortieren, Aufräumen, Werkstatt sauber machen oder ähnliches), arbeitet im HINTERGRUND das Gehirn mit dem Problem.

Irgendwann kommt man dann gedanklich zum Anfang mit der eigentlichen Arbeit. Man beginnt, kommt bis zu einem gewissen Grad, hört dann wieder auf und macht mit den ersteren Arbeiten oder einer völlig neuen Arbeit, weiter. Klar, im Beruf geht das nicht. Der Chef und die Arbeitskollegen würden sich beschweren. Aber Zuhause kann man das machen.

Mit der Zeit werden solche "Neben-Arbeiten" weniger. Dann hat das (ADS) Gehirn es akzeptiert und man kann dann - mehr oder weniger - sofort loslegen. Dieses "Heran-Tasten" muss man aber (als ADSLer) akzeptieren, genehmigen. Mit jedem dieser Vorgänge gewinnt man Zuversicht und Selbstvertrauen und damit mehr Freude auch an handwerklichen Tätigkeiten.

Ein Wort zu Vorsicht: ADSLer haben oft schnelle ungelenke Bewegungen oder denken, wenn sie in eine gewisse Routine kommen, schon wieder an das nächste Projekt. Das kann beim Arbeiten mit Maschinen zu Schwierigkeiten oder sogar Verletzungen führen - ist mir mal mit der Winkelschleifmaschine passiert! Hier MUSS der ADSLer lernen, sich GENAU auf das momentane Projekt zu konzentrieren und LANGSAM arbeiten, wenn er noch nicht so routiniert ist bzw. GERADE dann, wenn er schon Routine hat, darauf zu achten, dass JEDE seiner Bewegungen und Arbeiten im maschinellen Bereich, sorgfältig ist.

Lernt er das und hat er ein wenig Routine darin, wird der ADSLer merken, dass ihm solche Arbeiten sehr viel Freude machen und manch einer entdeckt sogar ungeahnte Fähigkeiten in sich.